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24.10.2013 10:00:13
Hut ab und meine vollste Hochachtung. Eine sehr informative und gelungene Seite.
alentuatt
14.02.2013 16:47:23
Super Seite. Vielen Dank.
06.11.2012 11:02:09
Nun bin ich gespannt wie mir deine Seite gefällt...
Annette
28.09.2012 21:24:33
Sehr schön gemacht. Die WebCam gefällt mir besonders
08.09.2012 17:59:22
tolle seite Wink
Geschichte der Brandwehr

Feuerordnungen und Feuerwehr

Als im Jahre 1869 die Freiwillige Feuerwehr in Neustadt gegründet wurde,
worauf wir später noch eingehen werden, übernahmen damit freiwillig seit-
dem beherzte Männer die Aufgaben des Feuerlöschwesens, die in allen
Jahrzehnten vorher Pflichtaufgaben eines jeden Bürgers waren. Es mag daher
zunächst ein Rückblick auf die früheren Verhältnisse angebracht sein.
Die älteste Feuerordnung, die wir von Neustadt kennen, ist in der alten
Bursprake vonm 1502 enthalten, die, in 14 Punkten zusammengefasst, die
wichtigsten Polizeiordnungen enthielt.

Unter Nr. 6 heißt es da : " Wo (da Gott vor sy) Fürs not wurde unde de
Stormglocke ginge, so schall ein jeder tholopen tho redden, by Straffe
60 ß."

Eine Eigene Feuerwehr gab es nicht, so wenig wie eine besondere Militär-
macht in der Stadt. Galt es den Schutz der Mauern bei Angriff, wurden die
Bürger mit ihrer Wehr auf die Wälle gerufen. Entstand eine Feuersbrunst, rief
man die Bürger zur Wehr gegen diesen Feind, der oft schlimmer wütete als
Krieg. Aber da das Vorbeugen ebenso wichtig ist als das schnelle Eingreifen
bei entstandener Feuersnot, enthält die Bursprake auch Vorschriften zur
Feuerverhütung. Da unbewachtes Feuer im Herde und unter den Kesseln
nachtschlafender Zeit leicht zur Brandursache werden kann und besonders
beim Brauen des Bieres größere Kessel gebraucht wurden, heißt Punkt 8 der
Bursprake :
" Vor Middernacht schall Kenmandt unterböten tho bruwen.'"
Aber auch die aus Kerzen bestehende Beleuchtung war, besonders wegen
der weichen Bedachung der meisten Häuser eine stete Gefahrenquelle. Darum
wird äußerste Vorsicht mit offenem Licht anbefohlen.
Punkt 10 : " Kenmandt schall des Avends in Schünen edder Ställe gahn
mit blodem Lichte, sonder dat Licht in der Luchten hebben, by will-
körlicher Straffe."

Das ist Neustadts älteste Feuerordnung, die uns bekannt ist. Leider hat sie
schwere Feuersbrünste nicht gehindert, die so oft der Stadt zum Verderben
wurden. Aber man sieht jedenfalls, dass das Stadtregiment bedacht war, der
Gefahr zu begegnen, und man erkennt im Halbdunkel des Mittelalters die An-
fänge der ersten Feuerwehr.

Ein zweites Dokument entstammt schon viel späterer Zeit. Etwa 230 Jahre
liegen zwischen ihm und der Bursprake. Es ist die von Herzog Karl Friedrich
von Gottorf erlassene und 1731 in Lübeck bei Asmus Koop gedruckte "Feuer-
ordnung vor die Stadt Neustadt in Holstein". Da in dieser Zeit Neustadt
Residenz des Herzogs war, mochte er ein besonderes persönliches Interesse
an dieser Ordnung haben. Die neue Feuerordnung ist natürlich umfangreicher
als die alte, in wenigen Sätzen bestehende. Sie enthält auf 30 Seiten in 6
Kapiteln genauere Anweisungen. Die Verhütungsvorschriften bilden den
Anfang.
Kapitel 1 heißt:
Wie durch Gottes Gnade und gute Vorsicht eine Feuersbrunst zu verhüten.
Ein Bild damaliger Zustände tritt uns entgegen. Auf die Schornsteine ist zu
achten, dass sie nicht durch Heuböden oder ähnl. Räume gehen.

Hölzerne Schornsteine werden verboten. Es muss sie also damals noch ge-
geben haben. Die Dahren-Ofen (Malzdarren) (-
eine besondere Art Öfen in den
Brauhäusern, auf welchen das zum Malz bestimmte Getreide gedörret, durch Hülfe des

Feuers getrocknet wird-) sollen 4 mal im Jahre auf Feuergefährlichkeit von einer
Kommission geprüft werden. Das Schornsteinfegen soll viermal im Jahre, bei
den Brennern aber alle 4 Wochen erfolgen.Das Tabakrauchen in feuergefähr-
lichen Räumen wurde verboten, außer in Küchen und Wohnstuben dürfen
keine offenen Pfeiffen ohne -Döpffe- geraucht werden.Die Frauensleute mit
ihren Feuer-Stübgens sollen alle ersinnliche Vorsichtigkeit gebrauchen. Der
Gebrauch von Laternen statt offenen Lichtes wird wieder eingeschäft mit
dem Zusatz: "viel weniger wo ein Licht anzukleben." Das lässt allerdings,
wenn es sich um Heu- oder Kornböden handelt, auf ziemlichen Leichtsinn
schließen. Asche darf nicht auf den Kornboden geschüttet, das Feuer im
Herd soll abends mit eisener Stülpe bedeckt und keine hölzernen Ofentüren
verwendet werden.
Verboten ist, nachts über dem Herde Kleider, Leinen, Flachs und Holz zu
trocknen, in oder zwischen den Häusern Gewehre abzuschießen, Feuer für
Waschen, Brauen und Darren vor 4 Uhr morgens anzulegen, bei Licht zu
dreschen, Häcksel zu schneiden oder Flachs zu bearbeiten, Lichtgießen, Talg
schmelzen und Heringe räuchern bei Nacht oder in oberen Räumen vorzuneh-
men, frisch aus dem Meiler kommende Kohlen zu kaufen, -es sei denn, dass
sie vollkommen gedämpfet- sind. Die Hausdächer sollen möglichst in Kalk
geleget u. bei Neubau keine -Stroh-Kiepen oder Dachen- inskünftig geduldet
werden. Die töpfer dürfen -bei starken Sturmwinden- nicht brennen und die
Mauerleute keine neuen Feuerstellen anlegen ohne Erlaubnis der "Feuer-
Herren". Der Schornsteinfeger aber jedesmal dem Rat ein Liste einzueichen
über erfolgtes oder nicht erfolgtes Fegen. Die angedrohten Strafen gehen bis
zu 12tägigem Wasser und Brot".
In diesen einzelnen Bestimmungen liegt ein Kulturbild damaliger Zeiten. Die
Brandschau von heute wird hier mit Freuden ihren Vorläufer erkennen.
Das zweite Kapitel handelt von etwas, wovon in der Bursprake noch nicht
die Rede war, nämlich "von der zur Löschung dienenden Gerätschaft", natür-
lich zunächst von der Spritze. Die schon vorhandene wird als -unvollkommen
und unbrauchbar- abgetan.Eine neue -nebst dazu gehörenden Schlaugen-
soll von der der Stadt angeschafft werden.Dazu kommen acht lederne Feuer-
Eimer,drei tüchtige Wasserschlöpen mt daraufgesetzten -Kübens-, die mit
Wasser gefüllt jederzeit auf dem Markt bei den Brunnen stehen, "Feuerleuten
und Haacken", die an den vier Ecken des Marktes und an den Stadtmauern
aufgehängt sind, ein lederner Eimer in jedem Wohnhaus.
Die Äxte, Brecheisen usw haben Zimmerer und Maurer im Ernstfall mitzu-
bringen.
"Wer die  Feuerlöschung dirigiren und veranstalten, insgleichen, was dabey
noch ferner zu observieren" erzählt Kapitel 3. Es wird nämlich bestimmt,daß
bestimmte Ratsherren, nämlich die -Gerichtsherren- das Kommando als
-Directoren- ausüben. Ihnen treten aus jedem Quartier vom Rat ausgewählt
je zwei geeignete Bürger zur Seite, -wovon wenigstens einer gut lesen und
schreiben kann-. (1731 !)
Das sind die schon oben genannten -Feuer-Herren-. Der ganze Rat aber hat
sich bei jedem Feuer auf dem Rathaus zu versammeln. Drückebergern, die
das Amt eines Feuer-Herren  abzulehnen geneigt waren, drohte empfind-
liche Strafe, nämlich 12 Reichsthaler.
Vom Feueralarm handelt das 4. Kapitel:"Wie eine entstehende Feuersbrunst
kund zu mach sey". Aus den Häusern, wo ein Feuer sich entwickelt, soll man
um Hülfe rufen u. etwa durch Nachbarn den nächsten Feuer-Herren benach-
richtigen, wie auch en Ratsdiener, der die Sturmglocke auf dem Rathause
zieht. Bei größeren Bränden muss  der Küster die Glocke der Kirche ziehen.
Außerdem soll die "Stadttrummel durch alle Gassen geschlagen" werden, aber
nur, "wenn Ihro Königl. Hoheiten allhier nicht zugegen". Der letzte Satz be-
zieht sich auf das häufige Verweilen des Herzogs Karl Friedrich in seiner
Sommer-Residenz Neustadt - eine etwas sonderbar erscheinende Rücksicht
gegen den Landesfürsten. Die Nachtwächter haben jede Stunde durch die
Straßen zu gehen und die Stunden zu rufen. Wenn sie Feuer bemerken,
sollen sie tüchtig anklopfen und die Alarmierung in Gang setzen. Vor allem
aber - gewiß keine überflüssige Mahnung - stets nüchtern sein. Wer bei Tage
ein Feuer zuerst auf dem Rathause meldet, bekommt 2 Mark, nachts sogar 3
Mark.
Kapitel 5 befasst sich mit dem Löschungswerk. "Wie die Löschung selbst,
auch die Rettung der Mobilien anzustellen". Während Nachbarn und Bürger,
also die Männer zu Hilfe eilen, haben die -Frauen und Kinder nebst Dirns-
eine Tonne oder Zuber mit Wasser vor die Haustür zu setzen und später
wieder zu füllen, auch bei Nacht brennende Lichter in die geöffneten Fenster
zu setzen oder -eine große Leuchte mit brennenden Lichtern vor die Haustür aufzuhängen-.
Die Männer aber sollen sich, mit Löschgerät bewaffnet, bei ihrem Feuerherren
stellen. Jeder dieser Züge eilt dann zum Feuer-Director, um Weisung ent-
gegenzunehmen. Eine Ausnahme bilden die Zimmer- und Mauerleute und die
Schornsteinfeger, die sich direct zur Brandstelle begeben. Die große Feuer-
spritze wird von drei verschiedenen Handwerkern bedient, einem Schmied
einem Schuster und einem Riemer, damit gleich Schaden verbessert werden
kann. Die "Schlaugen" werden den Seeleuten anvertraut, Furhleute müssen
Wasser fahren. Im übrigen hat sich jeder den Anordnungen des Directors zu
fügen und bis zum Ende zu bleiben.
Das Kapitel 6 berichtet: "Was nach gelöschtem Feuer zu beobachten."
Es handelt von Brandwache und Bergung der Löschgeräte. Wenn ein Leder-
eimer verloren ist, soll der Stadtdiener ohne Entgelt in der Stadt herumge-
schickt werden, der -sotaanes Instrument aussuchen- soll. Schwere Strafen,
bis zur Todesstrafe, drohen dem, der die Gelegenheit benutzt, sich fremdes
Gut anzueignen.
Diese Feuerordnung wird von der Kanzel publicieret und an jeden Bürger und
Einwohner gegen Bezahlung von 3 ß gedruckt verabreicht.

Aus dem frühen,ziemlich regellosen Hilfsdienst der Bürger in Feuersnot war im
Laufe der Zeit eine festere Ordnung geworden. Die Vorbeugungsmaßnahmen
wurden weiter ausgebildet, die Werkzeuge durch Einführung der Feuerspritze
verbessert. Man hätte denken können, dass die Feuerordnung von 1731
länger in Kraft geblieben wäre. Aber die Umstände brachten es mit sich, dass
schon 1775 eine neue sie ablöste. Nicht, dass die Technik inzwischen so viel
weiter gekommen wäre.Auch die Vorschriften über die Brandverhütung äh-
neln in vielen Punkten den alten. Eine Feuerwehr nach moderneren Begriffen
ist auch hier noch nicht gefordert, höchstens im Werden. Der äußere Grund
liegt darin, dass Neustadt beim Ende des großfürstlichen Holsteins 1773 ans
Königreich Dänemark kam. Die neue Ordnung kam von oben. Der dänische
König Christian VII. erläßt diese Ordnung für Neustadt ähnlich wie für die
anderen bisher gottorffischen Gebiete. Ihre innere Berechtigung hat sie in
dem für hiesige Gegend neue Gedanken, der in anderen dänischen Gebieten
bereits verwirklicht war, mit den übrigen Vorschriften über das Löschwesen
die zwangsläufige Versicherung der Gebäude gegen Brandschäden zu ver-
binden. Wohl gab es in privaten Vereinen solche Versicherungen. Hier aber
war sie für alle Häuser zum Zwang erhoben.
Das ist das Wesen der 3. Neustädter Ordnung, der in Kiel in der akade-
mischen Buchdruckerei bei Bartels gedruckten "Confirmirten Feuer Ordnung
der Stadt Neustadt vom 17. August 1775". So verfügte der dänische König,
wie er betont. "aus landesväterlicher Fürsorge" den Beitritt Neustadts zur
Brandversicherungsanstalt für die Städte der Herzogtümer.
Hier am Ort übernimmt der Magistrat die Leitung, der einen Ausschuss bildet,
bestehend aus 2 Ratsherren, dem Richter und Stadtsyndikus, 2 Baudepu-
tierten und 6 Deputierten. Ein Kataster, d.h. eine Liste,über die versicherten
Gebäude wird aufgestellt, der noch heute vorhanden ist, eine Kasse gebildet,
in die Beiträge sowohl wie Strafgelder fließen, das einkommende Geld in einer
eisenbeschlagenen Lade aufbewahrt, die mit zwei verschiedenen Schlössern
versichert ist.
Die Gebäude müssen nun taxiert werden und ihr Wert muss festgesetzt
werden. Der Beitrag beträgt ein achtel pro Cent, in zwei Terminen jährlich zu
zahlen. So wird  ein seegensreicher Gedanke Allgemeingut, der dem durch
Brand Geschädigten ein wirklich wirksame Hilfe gewährt.

Es folgten darauf schärfere Bestimmungen im Umgang mit feuergefährlichem
Verhalten und Gegenständen. Weiterhin ist hier nun die Rede von einem
"Sprützen-Haus" in der Hochtorstraße. Zu dieser Zeit waren zwei Feuer-
Spritzen in Neustadt vorhanden. Es wird dann noch von personellen Zahlen
an den Spritzen und der Ausbildung durch "Probieren" gesprochen sowie vom
Benehmen und dem Umgang mit dem Material.

Im Protkoll der Neustädter Wehr heißt es: "Die Anregung zur Gründung einer
Freiwilligen Feuerwehr ist bereits im Jahre 1868 von dem Kieler Gewerbe-
verein dem hiesigen Gewerbeverein zugegangen.
Nach mehreren Verhandlungen machte dann der Vorsitzende des Gewerbe-
vereins, Herr J. H. Gerdes, am 26. März 1869 der Generalversammlung die
Mitteilung, dass voraussichtlich in der nächsten Zeit die erforderlichen Mittel
zur Verfügung stehen würden und das sich bereits 23  Neustädter Einwohner
zur Aufnahme gemeldet hätten.
Die städtischen Kollegien bewilligten am 11. Juni 1869 zur Beschaffung einer
Spritze und zur ersten Ausstattung 600 Taler. Am 30. August 1869 wurde
eine Saug- und Druckspritze bei der Firma H. Kurtz in Stuttgart bestellt, und
nachdem am 17. Dezember 1869 das entworfene Statut vom Magistrat ge-
nehmigt worden war, war die Gründung vollzogen.
Die Schützengilde stellte den Schützenplatz für Übungen zur Verfügung.
Später erhielt die Feuerwehr ihr eigenes Übungsgelände vor dem Hochtor.
Fast 1 Jahr nach der Gründung rückte die Wehr zum ersten Mal zur Brandbe-
kämpfung aus. In der Bierbrauerei Bodenhäuser war ein Schadenfeuer ausge-
brochen, das Dank der Bemühungen der Wehr alsbald gelöscht werden
konnte. Der Bericht vermerkt, dass die Wehr bis zum Jahre 1886 insgesamt
28 mal in Tätigkeit getreten ist.

Bis zum heutigen Tage verfügt Neustadt über eine schlagkräftige, geordnete
und gut ausgebildete Freiwillige Feuerwehr, die weit über die Stadtgrenzen
hinaus bekannt sind. Dafür sind wir dankbar !!!
... Gott zur Ehr, dem nächsten zur Wehr ...

 
 
(Quelle: Neustadt und sein Brandschutz, Herbert Zimpel, Selbstverlag 1984, S.  1-6)
 
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