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23.11.2017 10:27:11
Grin
24.10.2013 10:00:13
Hut ab und meine vollste Hochachtung. Eine sehr informative und gelungene Seite.
alentuatt
14.02.2013 16:47:23
Super Seite. Vielen Dank.
06.11.2012 11:02:09
Nun bin ich gespannt wie mir deine Seite gefällt...
Annette
28.09.2012 21:24:33
Sehr schön gemacht. Die WebCam gefällt mir besonders
Zuckerfabrik

Die Zuckerfabrik

Die sogenannten Gründerjahre nach dem gewonnenen Kriege 1870/71 mit
einem starken Kapitalangebot,veranlasst durch die Zahlung der französischen
Kriegsentschädigung in Höhe von 5 Milliarden Goldmark, folgten auch in Neu-

stadt besonderen Neigungen für Investitionen. Im Anfang der 80er Jahre
zeigte sich überall ein weitverbreitetes Interesse
für den Anbau von Zucker-
rüben und die Erbauung von Zuckerfabriken. Vorläufig stand jedoch noch
kein Ort für die Errichtung der Zuckerfabrik in Ostholstein fest. Die end-
gültige Standortbestimmung sollte erst nach Prüfung der Wasserverhältnisse
durch einen "Zuckertechniker“ vorgenommen werden. In einem weiteren Vor-
trag wies Dr. Giersberg aus Itzehoe unter Berücksichtigung der wirtschaftl.
und finanziellen Seite darauf hin, dass schon vor 20 Jahren der Plan erwogen
worden war, in Neustadt eine Zuckerfabrik zu errichten, da gerade hier alle
Vorbedingungen bestens erfüllt waren. „Sollte Neustadt da zurückstehen und
warten, bis anderswo die Fabriken dastehen? Nein, das wäre falsch.“


Man wollte nicht warten, alles schien gut zu liegen, alle Vorbedingungen
waren gegeben. Man erwartete von einer Zuckerfabrik in Neustadt großen
Nutzen. Bis zum 5. Oktober 1883 wurden circa 800 t Land zum Rübenbau fest
gezeichnet. Daraufhin beschloss das Komitee einstimmig, mit dem Beginn der
Aktienzeichnung vorzugehen. Die einzelne Aktie betrug 1000 Mark, wovon
10 % bis zur Bildung der Gesellschaft im November,der Rest bis zum Ablauf des Baujahres im Herbst 1884 eingezahlt werden mussten. Es wurden 500 Aktien zu 1000 Mark Nennwert u. jeden 1,5 ha Anbauverpflichtung ausgegeben. Am 17.Oktober 1883 beschlossen die Kollegien der Stadt 150.000 Mark Aktienkapital zu zeichnen.

Zunächst versuchte man, die Fabrik in die Nähe des Hafens, in die Gegend der alten Salzkocherei, zu bringen (dort, wo jetzt die Speicher I. H. Petersen und das Sägewerk Janus stehen). Aber der Bau wurde schließlich im Gelände unweit des Binnenwassers westlich der Stadt vorbereitet.

Der damalige Baukostenvoranschlag belief sich auf 250.000 Mark. Schon nach kurzer Zeit stellte man fest das die tatsächlichen Baukosten den Kostenvoran-schlag um ein Vielfaches überstiegen. Das gesamte Bauvorhaben kostete letztlich 1,2 Millionen Mark. Es blieb daher keine andere Möglichkeit das Grundkapital auf  800.000 Mark aufzustocken und eine Hypothek in Höhe von 600.000 Mark aufzunehmen. Nachdem nun alle finanziellen Aspekte augen-scheinlich geregelt schienen, konnte am 8.April 1884 mit der Grundsteinlegung begonnen werden. Der neue Weg zum Bauplatz im erhielt im Volksmund bald den noch heute bestehenden Namen „Zuckerdamm“.

Die Fertigstellung der Gebäude war im Dezember 1884 und der Betrieb konnte im Jan. 1885 aufgenommen werden.Schon im ersten Jahr konnten nur rund 600 t bei einer vorgesehenen Kapazität von 1200 t eingefahren werden. Durch den verspäteten Beginn wurden 53.000 Doppelzentner durch Frosteinwirkungen und anschließende Fäulnis vernichtet. Damit waren mehr als 50 % der Ernte nicht verwertbar eine löschen.

Eine einberufene Generalversammlung am 31. März 1885, wurde von 80
Personen mit 396 Aktien besucht. Die finanziellen Schwierigkeiten der Gesell-
schaft ließen eine Konkurserklärung unvermeidlich erscheinen. Durch ein
allseitiges Entgegenkommen der Aktionäre und Gläubiger sowie opferwillige
Beihilfe einzelner bis dahin unbeteiligter Privatpersonen gelang es, die
drohende Gefahr abzuwenden. Gleichzeitig verzichteten alle Aktionäre für
eine längere Reihe von Jahren auf die Ausschüttung einer Dividende.

Weitere Rückschläge für die Zuckerfabrik traten im folgenden Jahr ein. Die
versorgende Fabrik mit elektrischen Licht - diese techn. Neuerung steckte
damals noch in den Kinderkrankheiten - erwies sich als ein Fehlschlag; eine
Umstellung auf Petroleumlampen musste mit einem weiteren Kostenaufwand
vorgenommen werden. Im Oktober 1886 beschwerte sich das Neustädter
Fischeramt beim Magistrat über Schädigungen der Fischerei im Binnenwasser.
Das in das Binnenwasser abgeleitete Spülwasser der Zuckerfabrik verur-
sachte ein großes Fischsterben. Auch hier entstanden wieder Kosten für eine
neu angelegte Kläranlage. Es folgten Schäden am Kessel, welche das
Schuldenkonto noch mehr belasteten.

Im Sommer 1887 zeigte sich erneut, dass der Konkurs unabwendbar blieb.
Sämtliche Bemühungen und Verhandlungen mit leistungsfähigen Bankhäusern
schlugen fehl, so dass es 1888 zur Zwangsversteigerung kam. Der Kaufmann
Schraube aus Magdeburg gab mit einer 13.000 Mark das Höchstgebot für die
Fabrik ab. Weitere Einrichtungsgegenstände wurden unter weiteren
Mitgliedern versteigert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 





Unter dem Namen "Neustädter Zuckerkrankheit" liebt diese Pleite der
kommenden Generation noch in unangenehmer Erinnerung. Manch Neu-
städter Bürger hatte durch Übernahme von Aktien den größten Teil seines
Vermögens verloren und hatte noch lange unter der Last seiner gezeichneten Anteile gelitten. Nur durch Vermittlung des derzeitigen Landesrats Dewitz aus Cismar und die unermüdliche Ausdauer des damaligen Bürgermeisters Gabriel in Gemeinschaft mit dem Stadtverordnetenvorsteher Dierksen gelang es schließlich, den Provinzialausschuss der Provinz Schleswig-Holstein zu bewegen, die Grundstücke anzukaufen.

Überrascht und erleichtert las man am 17. März 1892 im Neustädter
Wochenblatt, dass der Provinzialausschuss die Grundstücke der früheren
Fabrik für die Errichtung einer "Idiotenanstalt" verwenden wollte. Schon
kurze Zeit später wurde mit dem Umbau zur Provinzial-Heilanstalt begonnen.


(Quelle: Heimatbuch von Johannes Hugo Koch, Selbstverlag)

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