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24.10.2013 10:00:13
Hut ab und meine vollste Hochachtung. Eine sehr informative und gelungene Seite.
alentuatt
14.02.2013 16:47:23
Super Seite. Vielen Dank.
06.11.2012 11:02:09
Nun bin ich gespannt wie mir deine Seite gefällt...
Annette
28.09.2012 21:24:33
Sehr schön gemacht. Die WebCam gefällt mir besonders
08.09.2012 17:59:22
tolle seite Wink
Unglück Cap Arcona

Die Cap Arcona

Ein folgenschwerer Irrtum führte zur vermutlich größten Schiffskatastrophe
aller Zeiten und verhalf dadurch leider auch Neustadt in Holstein zur welt-
weiten Bekanntheit.

Die Cap Arcona

Der 330m lange Ozeanriese läuft am 14.Mai 1927 in Hamburg vom Stapel und
verkehrt 12 Jahre lang auf der Südamerikalinie. Mit Ballsaal,Schwimmbad und

Sportdeck bietet er seinen Passagieren allen erdenklichen Luxus. 1942 dient
er als Kulisse für den deutschen Film "Der Untergang der Titanic". Kurz vor
Kriegsende wird das Schiff selbst für Tausende KZ-Häftlinge zum Grab.


Tragödie am Kriegsende

Eine der größten und dabei kaum bekannten Schiffskatastrophen der Ge-
schichte
ereignet sich in den allerletzten Kriegstagen in der Lübecker Bucht.
Über 7.000
Menschen kommen am 3.Mai 1945 ums Leben. Sie sind Opfer
eines tragischen
Irrtums: Britische Bomber versenkten das deutsche
Passagierschiff "Cap Arcona"
und den Frachter "Thielbek" vor Neustadt in
Holstein. Die drei Kilometer vor der
Küste liegenden Schiffe geraten zufällig
ins Fadenkreuz. An Bord sind allerdings nicht deutsche Truppenverbände,
sondern hauptsächlich evakuierte Häftlinge aus
dem Hamburger KZ
Neuengamme.

KZ-Evakuierung vor der Ankunft der Briten

Frühling 1945 : Kein KZ-Häftling dürfte den Alliierten in die Hände fallen , hat
SS-Chef Heinrich Himmler befohlen. Die Briten rücken bereits auf Hamburg
vor. Um die Verbrechen des Nazi-Regimes zu vertuschen, beginnen am 19.
April im KZ Neuengamme hastige Räumungsarbeiten. Die alliierten Verbände
sollen das Lager spurlos leergefegt vorfinden. Gemeinsam beschließen der
Hamburger Gauleiter Karl Kaufmann - zugleich Reichskommissar für Seeschiff-
fahrt - und
der Hamburger SS-Führer Graf Bassewitz-Beer,die KZ-Häftlinge
auf zwei in der Lübecker Bucht ankernde Schiffe zu verbringen. Dass die
Schiffe von der britischen Luftwaffe möglicherweise für Truppentransporter
gehalten werden, gehört zum perfiden Kalkül.

"Schwimmende KZs"

Zu Fuß und in Güterzügen werden rund 10.000 Häftlinge in den letzten April-
tagen nach Lübeck getrieben. Dort im Vorwerker Industriehafen müssen sie
auf
die "Athen" und andere beschlagnahmte Zubringerschiffe umsteigen, die
sie zur "Cap Arcona" transportieren.
Der 330 Meter lange Luxusliner, 1927 bei Blohm & Voss in Hamburg gebaut,
liegt seit dem 14. April mit einem Maschinenschaden manövrierunfähig vor
Neustadt. Bevor er Ende August 1939 der Kriegsmarine unterstellt wird, war
er eines der modernsten Passagierschiffe seiner Zeit. Noch 1942 drehte die
UFA an Bord den Film "Der Untergang der Titanic". Im Krieg diente die "Cap
Arcona" lange Zeit als schwimmende Kaserne, lag gemeinsam mit der "Wilhelm
Gustloff" in Gotenhafen vor Anker und evakuierte zuletzt Zivilisten und Sol-
daten aus Ostpreußen.Nach dem Turbinenschaden wird sie von der Marine an
die Reederei Hamburg-Süd zurückgegeben.Damit gelangt sie in den Machtbe-
reich Karl Kaufmanns.Mit dem Beginn der KZ-Räumung informiert die SS die
Kapitäne der "Cap Arcona" und der "Thielbek",Bertram und Jacobsen,dass ihre
Schiffe für eine Sonderoperation benötigt werden.Beide weigern sich ent-
schieden, ihre Schiffe als schwimmende KZs zur Verfügung zu stellen, beugen
sich aber letztlich dem Druck und den Gewaltandrohungen.

Das Schiff wird präpariert

Während die ersten Häftlinge auf der "Cap Arcona" ankommen, deinstalliert
die SS alle Fluchtmöglichkeiten und blockiert die Rettungsboote. Dies deutet
zusammen mit den weiteren Maßnahmen darauf hin, dass geplant war, die
"Cap Arcona" durch Sprengung zu versenken: Die automatischen Schotten
werden zerstört und das Schiff mit einer geringen Treibstoffmenge betankt,
die als Brandbeschleuniger ausreicht.

Der Angriff der Royal Air Force

Am 3. Mai 1945 dümpeln die "Thielbek" und die "Cap Arcona" mit insgesamt
rund 7.500 Häftlingen an Bord in der Lübecker Bucht. Zu diesem Zeitpunkt
wissen die Alliierten um die Vorgänge in der Ostsee: Das Schweizer Rote
Kreuz hat die britischen Bodentruppen in Lübeck über die Schiffe informiert.
Doch die Information gelangt nicht zu den Piloten der Royal Air Force, und
auf den Auf-klärungsflügen an diesem Morgen werden die winkenden Häft-
linge nicht erkannt.
So lautet denn der schicksalsträchtige Einsatzbefehl No. 73 am 3. Mai 1945:
"Zerstörung der feindlichen Schiffsansammlung in der Lübecker Bucht west-
lich der Insel Poel und nach Norden hin zur Grenze der Sicherheitszone".Am
frühen Nachmittag beginnen die britischen Bomber der 2. Taktischen Luft-
flotte ihren letzten Großangriff über der Ostsee. Typhoon-Kampfflugzeuge
des 198. Geschwaders nehmen zuerst das deutsche Passagierschiff "Cap
Arcona" und eine Stunde später den Frachter "Thielbek" unter Beschuss.Die
"Cap Arcona" wird von 64 Raketen getroffen u. steht im Handumdrehen vom
Bug bis zum Heck in Flammen. Die SS versucht die Häftlinge unter Deck zu
halten, während die wenigen funktionstüchtigen Rettungsboote zu Wasser
gelassen werden. Von den 4.500 KZ-Häftlingen an Bord überleben 350,durch
Zufall allerdings,nicht durch deutschen oder alliierten Rettungsbeistand. Von
der Besatzung -Wachen,SS-Personal und Crew- können sich etwa 80 Prozent
in Sicherheit bringen, darunter auch Kapitän Bertram.

Die "Thielbek" sinkt innerhalb von zwanzig Minuten nach dem Luftangriff.
Britische Kampfflieger beschießen selbst die Rettungsboote auf ihrem Weg
ans Neustädter Ufer. Von den 2.800 Häftlingen erreichen lediglich 50 lebendig
das Land. Auch Kapitän Jacobsen und die meisten Seeleute sind unter den
Toten.
Die "Athen" liegt zur Zeit des Angriffs im Neustädter Hafen; allein diese Tat-
sache rettet den knapp 2.000 Häftlingen an Bord das Leben.

Über 7.500 Opfer der Schiffskatastrophe

Viele Opfer werden in Massengräbern entlang der Küste zwischen Neustadt
und Pelzerhaken verscharrt. Heute reiht sich dort ein Campingplatz an den
anderen. Doch zeugen in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern

noch rund ein Dutzend Friedhöfe von der "Cap Arcona"-Katastrophe; die be-
deutendsten Gedenkplätze liegen in Gronenburg-Neukoppel und in Neustadt
in Holstein selbst. Unter den Toten,die dort geehrt werden, sind auch etwa
200 Häftlinge des KZs Stutthof, die über die Ostsee nach Neustadt kamen
und dort am Morgen des 3. Mai 1945 von SS-Leuten - unterstützt von Ma-
rinesoldaten - erschossen wurden. "Die Hauptver-antwortlichkeit für eine
der schwersten Schiffskatastrophen der Geschichte liegt allem Anschein
nach auf deutscher Seite", schreibt Wilhelm Lange, Stadtarchivar aus Neu-
stadt, denn sie haben "den Alliierten eine hinterhältige Falle gestellt".
Andererseits unterliefen den Briten folgenschwere Pannen bei der Infor-
mationsweiterleitung. Bis heute wurde die Verantwortlichkeit deutscher u.
britischer Beteiligter an der Tragödie bei Neustadt nicht gerichtlich aufge-
arbeitet.



(   Ehrenfriedhof in Neustadt. Das Mahnmal erinnert an die Opfer aus 24 Nationen   )

In eigener Sache...Die Wiedergabe dieses Ereignisses dient nicht dessen
Verherrlichung.
Ferner soll über die Hintergründe und historischen Aspekte
aufgeklärt und informiert werden.
In Gedenken an die Opfer, Überlebenden und Hinterbliebenen.

 
Quelle: Imke Andersen, Britta Probol, NDR Online
Quelle: http://www.ndr.de/geschichte/caparcona100.html
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