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24.10.2013 10:00:13
Hut ab und meine vollste Hochachtung. Eine sehr informative und gelungene Seite.
alentuatt
14.02.2013 16:47:23
Super Seite. Vielen Dank.
06.11.2012 11:02:09
Nun bin ich gespannt wie mir deine Seite gefällt...
Annette
28.09.2012 21:24:33
Sehr schön gemacht. Die WebCam gefällt mir besonders
08.09.2012 17:59:22
tolle seite Wink
Galgen, Pranger und Gerichte

Galgen, Pranger und Gerichte

Nach „uhralter Gewohnheit“ wurden im Jahr sechs sogenannte „freye“ Gerichtstage ab-
gehalten, an denen jedem umsonst zu seinem Recht verholfen wurde. Diese waren
festgesetzt an den nach Ostern folgenden drei Montagen und den drei Montagen nach
Michaelis.
Die einfachen Fälle kamen vor das Niedergericht, bei dem zwei Ratsherren als Richter
fungierten, denen ein Protokollführer zugeteilt war. Beim Obergericht erschien der ganze
Rat, dem Beklagten stand seinem Kläger gegenüber ein Verteidiger zu. Vom Obergericht
aus konnte man an den Rat in Lübeck appellieren. Dieser wurde allerdings im Zuge des
wirtschaftlichen Niederganges der Stadt dadurch ausgeschaltet, dass man Appellationen
dorthin abstellte. Herzog Friedrich I. richtete 1496 ein Vierstädtegericht ein, das von den
Städten Kiel, Rendsburg, Itzehoe und Oldesloe gebildet wurde und welches einmal jähr-
lich in Kiel tagte, später abwechselnd in Kiel und Rendsburg zusammentrat. Neustadt
wurde als Stellvertreter dieser Städte vorgesehen.

Nach 1737 wurde das Vierstädtegericht aufgehoben. 1665 war es in Neustadt noch so üb-
lich, dass der „öffentliche Pfahl“ oder „Pranger“ mitten auf dem Marktplatz stand. Damals
wurde auf Anordnung des Richters Hans Hartmann eine Bürgersfrau wegen Trunkenheit
„ins Halseisen“ geschlossen. Der Richter schickte den „Racker und Schinder“ zur Frau ins
Haus, der sie von dort gewaltsam zum Pfahl schleppte. Er schloss sie in das Halseisen.
Da stand sie nun zu Schimpf und Spott der Bürger. Als die Frau ohnmächtig wurde, wagte
niemand, ihr zu helfen, „weil sie in des Rackers Hand gewesen“. Ihr Leichnam wurde in
einen Sarg gelegt, der am Pranger stehen blieb. Zwei Männer bewachten ihn die Nacht
über bis zum nächsten Morgen um 9 Uhr. Dann wurde die Tote in einer Ecke des Fried-
hofes begraben, ohne das sonst übliche Glockengeläut; nur einige wenige Knaben sangen
an ihrem Grabe, aber nicht die üblichen Begräbnisgesänge, sondern Bußpsalmen.

Noch 1729 werden im § 29 des Commissionalschlusses die Strafmaße für Felddiebstähle
und Einbrüche wie folgt festgelegt:
Wer bei einem kleinen Diebstahl zum ersten Mal ertappt wurde, kam an den sogenannten
Halspfahl, der vor jedem Stadttor an dessen Innenseite aufgestellt war. An diesem Hals-
pfahl wurde er an das Halseisen geschlossen und musste dort von 10 - 12 Uhr vormittags
stehen.Wurde er ein zweites Mal erwischt,so war die Strafe schon wesentlich härter. Dann
musste er von 10 - 1 Uhr und von 2 - 4 Uhr nachmittags wieder im Halseisen am Pfahl
stehen.Danach wurde er vom „Pracher-Vogt“ quer durch die Stadt zum Stadttor hinaus-
gewiesen.
Schwere Leibesstrafe wurde dem Ausgewiesenen angedroht, falls er in die Stadt zurück-
kehren würde. Größere Diebstähle sollten mit einem Staubbesen (staupen, gestäupt =
geprügelt, als mit Ruten geprügelt) „gestraffet werden oder auch allenfallß nach befinden,
in sonderheit wenn es gewaltsahme Einbrüche sind, am Leben gestraffet werden“
(Todesstrafe).

Das Nieder- und auch das Obergericht tagte auf dem Rathause. Im Mittelalter soll auch
die derzeit offene Laube unter dem Kirchturm als Gerichtsstätte gedient haben. Das Ge-
fängnis befand sich 1484 „auf dem Kirchhof“, vermutlich in seiner der am Kirchhof
liegenden „Buden“. Noch 1755 finden wir es am Anfang der Hochtorstraße, wo es 1817
mit dem großen Stadtbrand abbrannte. Von 1818 an bis zum Bau des Amtsgerichtsge-
bäudes in der Lienaustraße diente das Krempertor als Gefängnis.

Der Scharfrichter wohnte abseits der übrigen Häuser im sogenannten Scharfrichtergang
(Grüner Gang). 1681 ist noch ein Scharfrichter für das Amt Cismar, Oldenburg und
Neustadt gemeinsam bestellt. 1696 erhält Neustadt das Recht zur Bestellung einer eige-
nen „Scharfrichterei und Abdeckerei“. Der Galgen für die Hinrichtungen stand auf dem
Galgenberg vor dem Brücktor, dem späteren Friedhofsgelände der Heilanstalt. Über die
Aufrichtung eines Galgens durch die Bürgerwehr wird berichtet:

Am 20. Juli 1785 um 9 Uhr trat die Bürgerschaft in drei Kompanien „nach geschehenem
Trommelschlag mit Ober- und Untergewehr“ auf dem Markte an. Nachdem die Fahne aus
dem Rathaus geholt war, begab sich der Zug in folgender Ordnung zum Brücktor hinaus
nach dem Galgenberg: „Vorher ging ein Corps Hoboisten, diesem folgte der Magistrat in
corpore nebst den Deputierten der Bürgerschaft, sodann drei Compagnien mit ihrem
Commandeur Rathsverwandten Fischer. Auf dem Galgenberg, woselbst das Holz zum
Galgen bereit völlig bis zur Errichtung optieret worden, waren schon die Zimmerleute
versammelt. Der Herr Commadeur ließ nun auf dem Berge Halt machen und das Gewehr
präsentieren.“ Es folgte eine Rede des Bürgermeisters, dem vom Zimmermeister dann
eine neue Axt überreicht wird. Der Bürgermeister schlug die ersten drei Hiebe, dann der
Rat und die Deputierten. Sodann gingen die Zimmerleute an die Arbeit und hatten „in
einer kurzen Zeit den Galgen“ errichtet. Nachdem man in der gleichen Ordnung wieder
zur Stadt einmarschiert war, wurde auf dem Markt „unter den nemlichen Solennitäten ein
neuer Kack“ (Kaak = Schandpfahl, Pranger) errichtet, und anschließend feierte man bei
„Pfeifen, Tobak und Branntwein wie es bei Festivitäten sonst geschehen“.
Die letzte Hinrichtung auf dem Galgenberg erfolgte 1864; ein gewisser Behrens war we-
gen Brandstiftung zum Tode verurteilt. Bald darauf wurde der Galgen abgebrochen.


(Quelle: Das neue Neustadt-Buch, J. H. Koch, Selbstverlag 1980, S. 83 ff)
 
 
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